Heidepflege

Methoden der Heidepflege

Heide ist eine uralte, in der Jungsteinzeit entstandene Kulturlandschaft. Ihr Erhalt hängt von einer Nutzung ab, die dem Humusaufbau und einem Aufwuchs höherer Gehölze entgegenwirkt. Heute leisten wir durch gezielte Pflegemaßnahmen einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Heide in ihrer Vielfalt und Schönheit bewahrt bleibt.

Der VNP setzt eine Vielzahl von Methoden ein, um die Heideflächen zu erhalten. Hierzu gehören traditionelle Maßnahmen wie die Beweidung, mechanische Verfahren sowie der kontrollierte Heidebrand. Da Heiden ohne Pflege durch natürliche Sukzession schnell zu Wald werden, werden darüber hinaus Gehölze mitsamt Wurzeln entfernt und Kiefern sowie Fichten entkusselt. Das entnommene Material wird gesammelt, geschreddert und in Heizkraftwerken verwertet oder auf umliegende Äcker ausgebracht.

Jede Maßnahme verfolgt ein spezifisches Ziel: Nährstoffentzug, Verjüngung der Heide, Schaffung von Offenboden oder Strukturreichtum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. In den folgenden Tabs erhalten Sie einen Überblick über die einzelnen Methoden der Heidepflege, ihre fachliche Begründung, den Aufwand und die eingesetzten Techniken.

Erfahren Sie in diesem Film, mit welchen Methoden wir die Heideflächen pflegen und erhalten.

Entkusseln: Mitarbeit bei Offenlandpflege im Naturschutzpark zur Förderung der Biodiversität.

Beim Entkusseln werden per Hand (mit Astschere, Motorsense und Säge) aufkommende nicht austriebsfähige Pionierbaumarten wie die Kiefern und Fichten entfernt.

Dabei helfen dem VNP viele ehrenamtliche Gruppen und Schulklassen. Über 1.000 ehrenamtliche Helfer beteiligen sich so am Erhalt unserer Heiden. Der VNP vergibt auf Anfrage Patenflächen. Zudem werden jährlich ca. 400 – 500 ha durch Ausschreibungen an Firmen vergeben und entkusselt.

Der VNP achtet bei allen Pflegemaßnahmen darauf, dass sich eine möglichst vielfältige Landschaft mit verschiedenen Sukzessionsstadien entwickeln kann. Denn je vielfältiger die Landschaft ist, desto vielfältiger präsentiert sich auch die Flora und Fauna des Gebietes. So werden kleinere Weidengebüsche und Wacholdergruppen fast immer von der Entkusselung ausgespart.

Entkusseln: Entfernen einer jungen Kiefer im Naturschutzgebiet bei Offenlandpflege, nachhaltige Landschaftspflege.
Materialhaufen beim Entkusseln (Heidepflege) im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide

Austriebsfähige Gehölze wie Birken, die invasive Spätblühende Traubenkirsche, Pappel und weitere Arten müssen mit Wurzeln entfernt werden und sollten daher nicht klassisch entkusselt werden. Ehrenamtliche Gruppen arbeiten bei kleineren Bäumen dazu mit Spaten.

Zusätzlich werden jährlich ca. 100 ha Heideflächen und Wald-Heide-Übergangsbereiche durch Ausschreibungen an Firmen gerodet. Dazu wird meist der Minibagger mit entsprechenden Rodezähnen an der Schaufel eingesetzt.e mit Wurzel entfernen

Anders als Kiefern treiben Laubbäume wie Birken nach dem Absägen aus dem Stumpf wieder aus. Deshalb müssen diese Gehölze mitsamt der Wurzel entfernt werden – das ist das Roden.

Kleines Baggergerät bei Offenlandpflege im Naturschutzpark, umweltfreundliche Landschaftspflege. Roden der invasiven spätblühenden Traubenkirsche.
Roden der invasiven Spätblühenden Traubenkirsche mit Minibagger

Mit Trecker und Krokozange werden die Gehölze aus der Fläche vorkonzentriert. Das Material wird im Anschluss geschreddert und in eine Mulde verladen, damit es auf umliegende Äcker ausgebracht werden kann. Hier erhöht es den Humusanteil der Ackerflächen. Alternativ wird das Schreddergut auch als Mulchmaterial z. B. an Baumschulen oder als Filtersubstrat für Abluftfilter abgegeben.

Naturschutzpark mit Offenlandpflege, Heide und Buschland: Gehölze werden auf einem Schredderhaufen vorkonzentriert.
Landwirte bei Offenlandpflege im Naturschutzpark mit landwirtschaftlichen Maschinen - Schreddern der entnommenen Gehölze.
Plaggmaschine mit Förderband zum Überladen des Plaggmaterials
Plaggmaschine mit Förderband zum Überladen des Plaggmaterials

Plaggen bezeichnet den Abtrag der gesamten Vegetationsschicht einschließlich der Rohhumusauflage und eines dünnen Anteils der obersten Mineralbodenschicht. Die Maßnahme wird eingesetzt, um stark vergraste Heideflächen – etwa von Drahtschmiele oder Pfeifengras dominierte Areale – wieder in vitale Heiden zurückzuführen. Gleichzeitig entstehen Pionierstadien und Offenbodenbereiche, die ökologisch wertvoll sind. Im Durchschnitt werden in der Lüneburger Heide 1.000 bis 1.300 m³ Material pro Hektar abgetragen, wobei rund 1.685 Kilogramm Reinstickstoff pro Hektar entfernt werden. Im Naturschutzgebiet wurden bislang etwa 300 Hektar geplaggt. Die Kosten liegen je nach Aufwand zwischen 9.600 und 20.000 Euro pro Hektar inklusive Materialabfuhr.

Historisch wurde das Plaggen über Jahrhunderte hinweg von Hand mit der Twigg beziehungsweise der Plaggenhacke durchgeführt. Zwei Personen schafften dabei etwa 100 m² pro Tag. Diese Methode wird heute vor allem genutzt, wenn gezielt Plaggmaterial gewonnen werden soll, beispielsweise für Reetdachfirste oder zur Neuanpflanzung von Heide im Rollrasenprinzip. Für schwierigere Standorte wie stein- oder gehölzreiche Flächen sowie steiles Gelände kommt häufig der Bagger zum Einsatz, der durchschnittlich etwa 0,5 Hektar pro Tag bearbeiten kann.

Viele Jahrhunderte lang wurde ausschließlich von Hand mit der Twigg oder Plaggenhacke geplaggt. Foto: Herning Museum Dänemark, aus: Svein Haaland, Feuer und Flamme für die Heide, H.M. Hauschild GmbH Bremen 2002
Viele Jahrhunderte lang wurde ausschließlich von Hand mit der Twigg oder Plaggenhacke geplaggt.
Foto: Herning Museum Dänemark, aus: Svein Haaland, Feuer und Flamme für die Heide, H.M. Hauschild GmbH Bremen 2002

Auf größeren, möglichst langen und ebenen Flächen wird eine Plaggmaschine verwendet, die bis zu 2 Hektar pro Tag schafft. Sie fräst in einem Arbeitsgang bis zu 15 cm tief und trägt Vegetationsdecke, Humusschicht sowie Teile des Mineralbodens ab; ein Förderband verladen das Material direkt auf parallel fahrende Schlepper. Fachlich dient das Plaggen nicht nur der Heideverjüngung, sondern auch der Förderung spezialisierter Arten. Offenbodenbereiche begünstigen unter anderem Grab- und Wegwespen, Ödlandschrecken, Kreuzottern, Zauneidechsen und Steinschmätzer. Zudem profitieren konkurrenzschwache oder langsam wachsende Arten wie Bärlappe, viele Erdflechten und Moose von tief geplaggten Flächen.

Plaggmaschine mit Förderband zum Überladen des Plaggmaterials
Methoden der Heidepflege: Plaggen mit dem Bagger | VNP-Stiftung
Video: VNP- Plaggmaschine bei der Arbeit | VNP Stiftung
Heidepflege: Mulchschoppern von vergrasten Heideflächen | Foto: VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Pflege von vergrasten Heideflächen durch Schoppern

Schoppern bezeichnet den Abtrag der gesamten Vegetationsschicht sowie des größten Teils der Rohhumusauflage. In manchen Regionen wird darunter lediglich das Entfernen der Vegetation und der Moosschicht verstanden. Auf geschopperten Flächen treiben Heidepflanzen häufig direkt aus den im Boden verbliebenen Wurzelstöcken wieder aus und können bereits im ersten Jahr nach der Maßnahme erneut zur Blüte kommen.

Ursprünglich wurde das Schoppern nur auf Flächen mit mäßig starker Rohhumusauflage von bis zu vier Zentimetern und einem Vergrasungsgrad von höchstens 30 % angewendet. Mit modernen Schoppermaschinen lassen sich inzwischen auch stark vergraste Heideflächen bearbeiten. Um das gewünschte Ergebnis beim Austrag zu erzielen, wird eine Fläche teilweise zweimal behandelt.

In der Lüneburger Heide beträgt das durchschnittliche Austragungsvolumen 400 bis 600 m³ pro Hektar, wobei rund 1.046 Kilogramm Reinstickstoff je Hektar entfernt werden. Im Naturschutzgebiet wurden bislang etwa 600 Hektar geschoppert. Die Kosten für diese Maßnahme liegen inklusive Abfuhr des Materials zwischen 8.700 und 9.700 Euro pro Hektar.

In der Lüneburger Heide beträgt das durchschnittliche Austragungsvolumen 400 bis 600 m³ pro Hektar, wobei rund 1.046 Kilogramm Reinstickstoff je Hektar entfernt werden. Im Naturschutzgebiet wurden bislang etwa 600 Hektar geschoppert. Die Kosten für diese Maßnahme liegen inklusive Abfuhr des Materials zwischen 8.700 und 9.700 Euro pro Hektar.

Eingesetzte Maschinen

Schoppermaschine

  • Durchschnittliche Geschwindigkeit: 1 Hektar/Tag
  • Fräst bei einer Abtragungstiefe bis 8 cm die Vegetationsdecke und den größten Teil der Rohhumusauflage ab. Über ein Förderband wird die abgefräste organische Masse in einen mitgeführten Container mit Schubboden transportiert. Dieser fasst nur etwa 15 m³, sodass bei Schopperarbeiten das Material grundsätzlich zunächst in Mieten auf der Bearbeitungsfläche zwischengelagert wird. Die Abfuhr erfolgt dann durch Schlepper mit Mulden.
  • Für einen optimalen Arbeitsfortschritt sollten die Bearbeitungsflächen möglichst lang sein. Die Breite ist hingegen bezüglich der Ökonomie nicht relevant, solange die Bearbeitungsstreifen im engen räumlichen Zusammenhang zueinander stehen.
  • Arbeiten mit Schoppermaschinen werden zurzeit deutschlandweit nur durch zwei bis drei auf Heidepflegearbeiten spezialisierte Firmen angeboten.

Mähcontainer und Anbauhäcksler

  • Alternativ zu Schoppermaschinen können kommunale Mähcontainer oder Anbauhäcksler, die früher zum Häckseln von Raps oder für Grassilage im Einsatz waren, verwendet werden. Sie sind längst nicht so effektiv, bringen aber bei trockener Witterung oft auch gute Ergebnisse.
  • Vor allem bei zusätzlichem Gehölzanflug hat sich ein Mähcontainer mit verstärkter Welle für flache Schopperarbeiten bewährt.
  • Auch zur Gewinnung von Schoppermaterial für die Ansaat neuer Heideflächen wird zumeist der Mähcontainer eingesetzt.

Schwader und Bandharke

Die Vegetationsdecke muss hierzu zunächst durch Mulchen oder Fräsen (zumeist durch einen Forstmulcher) zerkleinert worden sein. Die Aufnahme des Schwads kann direkt per Schlepperschaufel oder bei trockener Witterung auch durch einen Ladewagen erfolgen.

In Gelände mit starkem Mikrorelief kann ein befriedigendes Schopperergebnis durch das Auskratzen von Moos und Rohhumus durch einen Schwader oder eine Bandharke erreicht werden.

Fachliche Begründung für die Entscheidung zum Schoppern

Neben der allgemeinen Begründung der Rückführung vermooster und vergraster Flächen zu vitalen Heiden, werden Schopperflächen angelegt, um Samen aus der Samenbank der Heiden freizulegen.

Neben der Besenheide betrifft dies Arten wie z. B. Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis), Englischer und Behaarter Ginster (Genista anglica und Genista pilosa) oder die Thymianseide (Cuscuta epithymum).

Heidepflege: Schoppern/Entmoosen | Foto: VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Heidepflege durch Schoppern
Heidepflege durch Schoppern | VNP Stiftung
Geschopperte Heidefläche
Schoppermaterial | VNP Stiftung Naturschutzpark
Schoppermaterial
Heidepflege: Entmoosen | VNP Stiftung Naturschutzpark

Entmoosen bezeichnet die Entnahme von Moos- und Rohhumusanteilen, wobei die Wurzelstöcke der Heidepflanzen erhalten bleiben. Dies geschieht durch Ausharken oder Vertikutieren. In größerem Umfang wird dieses Verfahren erst seit 2014 angewendet.

In Bezug auf den erreichten Nährstoffaustrag gilt das Entmoosen als die preisgünstigste Pflegemaßnahme. Die eingesetzten Maschinen arbeiten jedoch nur effektiv auf Flächen mit geringer Vergrasung. Daher werden in der Regel zuvor gemähte Heideflächen im Anschluss entmoost.

In der Lüneburger Heide beträgt das durchschnittliche Austragungsvolumen 200 bis 400 m³ pro Hektar, wobei etwa 500 Kilogramm Reinstickstoff pro Hektar entfernt werden. Im Naturschutzgebiet wurden bislang rund 180 Hektar entmoost. Die Kosten für diese Maßnahme liegen bei etwa 1.900 Euro pro Hektar.

Eingesetzte Maschinen

Entmoosungsmaschine

  • Durchschnittliche Geschwindigkeit: 3 Hektar/Tag
  • Schoppermaschine, in die eine spezielle Welle mit Vertikutiermessern und Räumschlegeln eingebaut wird.

Schwader oder Bandharke

  • Durchschnittliche Geschwindigkeit: 0,5 Hektar/Tag
  • Ein Entmoosen von gemähter Heide ist auch durch ein Ausharken mithilfe von Schwader oder Bandharke mit separater Aufnahme des Schwads möglich. Mit diesen Anbaugeräten ist der Arbeitsfortschritt aber wesentlich geringer.
  • Ein Vorteil dieser Methode liegt in der besseren Anpassung an das Mikrorelief beispielsweise im Bereich historischer Wagenspuren.

Fachliche Begründung für die Entscheidung zum Entmoosen

Aufgrund der hohen Kosten für Plagg- und Schopperarbeiten ist es nicht möglich, dauerhaft allein mit diesen Maßnahmen die Heideflächen nachhaltig zu verjüngen, wodurch der Akkumulation von Biomasse in Folge des ständigen Nährstoffeintrages entgegengewirkt wird.

Da das Entmoosen in einem gewissen zeitlichen Abstand auf den Flächen erfolgt, die durch die Heidemahd bereits mechanisch bearbeitet wurden, ist die zusätzliche Störung für die Tierwelt nur gering. In Bezug auf den bei der Heideverjüngung schwer zu berücksichtigenden Reptilienschutz stellt dieses Verfahren bei entsprechenden Flächenzuschnitten (möglichst schmale Streifen) eine gute Ergänzung dar.

Da die Mahd in der Heide zumeist recht hoch erfolgt, ist die Arbeit selbst für den Reptilienschutz unproblematisch. Liegt zwischen der Heidemahd und dem Entmoosen der Flächen eine Aktivitätsphase der Reptilien, so verlassen die in der Moosschicht verkrochenen Tiere die deckungsfreie Mahdfläche recht rasch, sodass bei der Entmoosung bisher keine Opfer beobachtet werden konnten.

In Bezug auf das Volumen ist in der Moosschicht gemeinsam mit der Rohhumusauflage der höchste Anteil an Stickstoff im Ökosystem der Heide gebunden. Die gezielte Entnahme dieser beiden Schichten mit möglichst geringen Mineralbodenanteilen ist also besonders effektiv, insbesondere da die Abfuhr der Biomasse in der Regel in etwa die Hälfte der Kosten von Plagg-, Schopper- oder Entmoosungsarbeiten erzeugt.

Besonders den heidetypischen Erdflechten scheint die Entmoosung entgegenzukommen. Dies mag daran liegen, dass Bruchstücke auf der bearbeiteten Fläche verbleiben, der Standort vorübergehend sonniger und trockener wird und Flechten einen Konkurrenzvorteil gegenüber den unerwünschten Moosarten verschaffen.

Pflegemaßnahme Heidemahd | VNP Stiftung
Bei der Heidemahd wird die Heide bis auf minimal 3 cm Stoppelhöhe gemäht.
Das Mähgut wird möglichst vollständig abtransportiert.

Die Heidemahd bezeichnet das Mähen von Heideflächen bis auf eine minimale Stoppelhöhe von drei Zentimetern, wobei das Mahdgut möglichst vollständig abtransportiert wird. Im Naturschutzgebiet werden seit Jahren ausschließlich besonders grasarme Heidebestände gemäht. Flächen mit höherem Gras- oder Moosanteil eignen sich dafür meist nicht, da eine Mahd dort zur Revitalisierung der Heide nicht ausreicht und das anfallende Mahdgut zudem nicht vermarktbar ist. Aufgrund der heutigen Stickstoffeinträge aus der Luft liegt der empfohlene Mahdzyklus in der Lüneburger Heide bei fünf bis sieben Jahren, während historisch auch Zeiträume von über 20 Jahren üblich waren.

Der Aufwand der Heidemahd variiert stark, da Beweidung und Bestandshöhe das Austragungsvolumen beeinflussen. Pro Hektar fallen, gepresst zu kleinen Quaderballen, zwischen 25 und 45 Kubikmeter Mahdgut an, was maximal etwa 300 Heideballen entspricht. Der durchschnittliche Austrag an Reinstickstoff beträgt rund 96 Kilogramm pro Hektar. Jährlich werden im Naturschutzgebiet etwa 20 bis 70 Hektar Heide gemäht und entweder zu Ballen gepresst oder gemulcht.

Finanziell stellt die Mahd unvergraster Heiden derzeit die einzige Pflegemaßnahme dar, die sich vollständig selbst trägt. Die Erlöse hängen von der jeweiligen Marktlage ab, weshalb die Preise für Heideballen aktuell angefragt werden müssen.

Heidepflege: Heidemahd - Pressen des Mahdguts in Ballen mit einer Hochdruckpresse | Foto: VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Mit der Hochdruckpresse wird das Heidemahdgut in Ballen gepresst.
Heidemahd: Pressen der Heideballen mit einer Hochdruckpresse mit Ballenschleuder. | VNP-Stiftung
Die Hochdruckpresse schleudert die fertigen Heideballen in den Ballenwagen.

Strukturanreichernde Mulchmahd

Strukturanreichernde Mulchmahd: Streifenweise Pflege von Heideflächen mit Mulchen, bodennahem Mähen und anteiliger Entmoosung.

Die Maßnahme „Strukturanreichernde Mulchmahd“ dient der Schaffung und dem Erhalt besonders strukturreicher Heideflächen. Dabei werden Entkusselungsmaterialien streifenweise gemulcht, aufgenommen und gleichzeitig eine bodennahe Mahd mit anteiliger Entmoosung durchgeführt. Ziel ist es, ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Altersstadien innerhalb der Heide zu entwickeln und damit wertvolle Grenzlinien zwischen Pionierstrukturen und älteren Beständen zu schaffen, die für den Artenschutz von großer Bedeutung sind.

Eingesetzt wird die Methode vor allem auf stark verkusselten Flächen. Ein Teil der Kiefern kann direkt maschinell gemulcht werden, während auf restlichen Flächen eine händische Entkusselung erfolgt. Die entfernten Gehölze werden gezielt in Streifen abgelegt und anschließend so fein gemulcht, dass das Material entweder landwirtschaftlich verwertet oder abgefahren werden kann. Durch diese Arbeitsweise entstehen eng verzahnte Strukturen; allein in der Pflegesaison 2015 wurden so über 100 Kilometer neue Grenzlinien geschaffen.

Heidefläche bearbeitet mit strukturanreichernder Mulchmahd (Heidepflege) im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide

Für die Umsetzung kommt ein Trecker mit einer Kombination aus Spezial-Forstmulcher und speziellem Mähcontainer zum Einsatz. Die Kosten betragen etwa 1.100 Euro pro Hektar ohne Abfuhr. Das anfallende Material wird teilweise von Firmen kostenlos als Mulchmaterial im Gartenbau oder als Zuschlagstoff für spezielle Erden genutzt; ist dies nicht möglich, muss es auf umliegende Ackerflächen ausgebracht werden.

Aufwand

Durch das Mulchen besonders stark verkusselter Flächen wir der Aufwand für das Entkusseln im Anschluss stark reduziert. Die Aufnahme entsprechender Gehölzschwade erfordert nicht nur ein Spezialgerät, das in dieser Form wohl ausschließlich in der Heidepflege eingesetzt wird, sondern auch sehr viel Erfahrung.

Das Material kann nur dann auf Ackerflächen ausgebracht werden, wenn die Gehölzspäne eine Länge von maximal 20 cm nicht überschreiten. Die Fahrzeugführenden müssen die entsprechenden Ortskenntnisse besitzen, um die Schwadreihen innerhalb der Flächen selbstständig anzufahren und hierbei wie auch bei der Zwischenlagerung der Mulchmaterialien, auf besonders empfindliche Biotope und kulturdenkmalgeschützte Areale Rücksicht zu nehmen. Areale, die durch besondere Findlingsdichten gekennzeichnet sind, sind selbstständig auszusparen. Bei keiner weiteren Pflegemaßnahme wird mit großen Maschinen soweit unabhängig von den Wegen durch die Heide gefahren.

Bei nassen Bedingungen verstopft das Saugsystem zum Mähcontainer schnell, sodass die Maßnahme nicht bei jedem Wetter eingesetzt werden kann.

Ein kompletter Abschluss der Arbeiten zum 01.03. eines jeden Jahres ist zwingend erforderlich, da andernfalls eine Besiedlung der Schwadreihen durch Reptilien erfolgt und die Nadelstreu die Vegetation langfristig negativ beeinflussen würde.

Jährlich werden ca. 30-60 ha Heiden mit strukturanreichernder Mulchmahd bearbeitet.

Fachliche Begründung

Die enorme Strukturanreicherung, die in Altheideflächen und vergrasten Heiden mit dieser Pflegemaßnahme einhergeht, erhöht die Artenvielfalt eines entsprechend bearbeiteten Areals deutlich.

Besonders die Schlingnatter, die neben besonnten Arealen immer vermooste und vergraste Flächen in direkter Nachbarschaft benötigt, erfährt eine Förderung. Für die Rote Röhrenspinne konnte nachgewiesen werden, dass entsprechende Mulchstreifen Ausbreitungsachsen darstellen, über die entsprechend wenig mobile Arten auch ungünstige Lebensräume überwinden können. Auch Rebhühner wurden besonders häufig im Bereich solcher Mulchstreifen beobachtet.

Heidebrand: Landschaft bei Offenlandpflege im Naturschutzpark, Feuer und Fachmann bei Arbeit.
Beim Heidebrand werden die Heidevegetation und ein Teil der Rohhumusauflage kontrolliert abgebrannt.

Heidebrand bezeichnet das gezielte, flächige Abbrennen von Heidevegetation und teilweise auch der Rohhumusauflage. Früher wurden nahezu alle Heideflächen, selbst vergraste, als Brandflächen genutzt, doch dies führte häufig zu weiterer Vergrasung und zur Ausbreitung von Pfeifengras, sodass später nachgepflanzt werden musste. Heute werden gezielt nur Heiden mit geringer Rohhumusauflage und wenig Grasbewuchs gebrannt, wobei auch stärkere Moosauflagen unter trockenen Bedingungen verbrannt werden können. Das Alter der Heidepflanzen spielt kaum eine Rolle, und oft dient der Brand auch dazu, scharfe Grenzen durch mechanische Pflege auszugleichen. Typischerweise sind die Brandflächen kleiner als ein Hektar.

Zwischen 1985 und 2022 wurden insgesamt 530 Hektar Heide gezielt abgebrannt. Die jährlichen Maßnahmen werden im Rahmen der Pflegeplanung mit den zuständigen Unteren Naturschutzbehörden abgestimmt und genehmigt. Obwohl die Fläche der Brandflächen relativ klein ist, spielt der Heidebrand eine herausragende Rolle für den Erhalt vieler Arten. Alternative Verfahren können die historische Bewirtschaftungsform, an die sich die Tierwelt über Jahrtausende angepasst hat, nicht ersetzen.

Die durchschnittlichen Kosten für das Abbrennen einer Heidefläche liegen in den letzten Jahren bei etwa 440 Euro pro Hektar.

Mitarbeiter bei kontrolliertem Brand zur Offenlandpflege und Naturschutz.
Landschaft mit kontrolliertem Brand zur Offenlandpflege im Naturschutzgebiet.

Aufwand

Für eine sichere Durchführung des flächigen Heidebrandes wird recht viel Personal benötigt. Neben zwei bis drei Personen für die Schlepper sind mindestens noch drei weitere Personen zum Entzünden der Fläche sowie zur Beobachtung der Umgebung erforderlich.

Grundsätzlich wird um die windabgewandte Seite der Brandfläche zunächst eine Brandsicherheitsschneise angelegt. Dies erfolgt meist durch mit dem Wasserwagen gewässerte Streifen oder Halbkreise. In speziellen Fällen können die Sicherheitsschneisen auch gemäht oder gemulcht werden, was sich allerdings deutlich zeitaufwendiger gestaltet.

In jedem Fall wird dann zunächst im Abstand von einem bis wenigen Metern zum Brandsicherheitsstreifen auf der vom Wind abgewandten Seite der Brandfläche der Brandsicherheitsstreifen durch Feuer erweitert. Erst wenn der Brandsicherheitsstreifen auf den Flanken und der Leeseite entsprechend freigebrannt wurde, wird die Gesamtfläche durch ein Mitwindfeuer abgebrannt.

Die Bearbeitungsgeschwindigkeit kann sehr unterschiedlich sein. Hier spielen die Faktoren Trockenheit, Wind, die Lage der einzelnen Brandflächen zueinander und die Einzelflächengröße eine entscheidende Rolle.

Daher variiert die Tagesleistung der abgebrannten Heideflächen zwischen 5 und 35 Hektar.

Pro Hektar werden etwa 100 Kilogramm Reinstickstoff direkt bei dem Brandereignis ausgetragen. Ein weiterer Stickstoffaustrag erfolgt im Jahr nach dem Brand in Folge von Mineralisierung und Auswaschung auf der durch die Asche geschwärzten Fläche.

Eingesetzte Maschinen

Zwei große Wasserwagen (über 10.000 m³) legen sowohl die Brandsicherheitsschneise und sichern während des Brands die Flanken. Die Arbeit der Maschinen wird durch Personen mit Feuerpatschen ergänzt. Sie sind rund um die Brandfläche postiert und sichern diese bzw. geben Meldung an den Wasserwagenfahrer, wenn das Feuer die Schneise beispielsweise durch Funkenflug überschreitet.

So entsteht eine etwas natürlicher wirkende Grenzlinie der Brandfläche und eventuelle Maschinenschäden durch Steine können vermieden werden.

Das Entzünden der Brandflächen erfolgt heute nicht mehr durch Gasflaschen, sondern mit einer DripTorch. Eine solche „Tropffackel“ enthält ein Gemisch aus Benzin und Diesel und wurde für die National Fire-Fighters in den USA zum Anlegen von Gegenfeuern bei Großbränden entwickelt.

Heidebrand: Punktuelles Anzünden mit der "drip torch"/Tropffackel | VNP Stiftung
Punktuelles Anzünden der Heidefläche mit der DripTorch

Fachliche Begründung für die Entscheidung zum Heidebrand

Feuer ist neben der Beweidung durch Wildtiere die natürlichste Ursache für die Entstehung und den Erhalt von Heideflächen. Die Tier- und Pflanzenwelt ist daher evolutionär besonders gut an Brandereignisse in der Heide angepasst.

Im vergangenen Jahr wurde die Verordnung für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide an die Vorgaben der EU zum Erhalt der Biodiversität (FFH-Richtlinie) angepasst. In diesem Zusammenhang wurden die aktuellen Beobachtungsdaten zu den hochgradig gefährdeten Arten aus dem Naturschutzgebiet zusammengestellt. Das Ergebnis ist eindrucksvoll!

Über 600 Tier- und Pflanzenarten, die in Niedersachsen als in ihrem Fortbestand hochgradig gefährdet sind, kommen in diesem Schutzgebiet vor – mehr Nachweise als aus allen anderen Schutzgebieten in Niedersachsen vorliegen. Ein hoher Anteil dieser Nachweise stammt heute wieder aus den Heiden. Das Pflegekonzept inklusive des Heidebrandes erfüllt also die Lebensraumansprüche dieser Arten.

Zu den deutschlandweit seltensten Arten gehören neben vielen anderen Birkhuhn, Heidekraut-Steppenrüssler, Heidekraut-Fleckenspanner, oder die Heideschrecke. Von den hier genannten Arten gibt es europaweit nahezu ausschließlich Nachweise aus Heidegebieten, in denen der Heidebrand Teil des Managements ist.

Zahlreiche Forschungsarbeiten belegen, dass die Tierwelt der Heide in besonderer Weise evolutionär an den Heidebrand angepasst ist. Da bereits sehr knapp unter der Bodenoberfläche keine Temperaturerhöhung erfolgt (Hitze steigt nach oben), ist der Anteil der Tiere, die innerhalb der Brandflächen überleben, sehr hoch. Es soll allerdings nicht behauptet werden, dass hier wie bei allen Pflegemaßnahmen, keine Individuen sterben. Der Anteil dieser Tiere ist aber bei Durchführung einer Beweidung in ähnlicher Intensität sicherlich ähnlich hoch (Schaffußwalze), bei Plagg- und Schoppermaßnahmen sogar deutlich höher. Entscheidend ist, dass die Populationen der Arten aufgrund angepasster Größen der Pflegemaßnahmen gefördert werden. Wie oben verdeutlicht, sind wir hier sehr erfolgreich.

Bei einigen Arten, wie z. B. der Heideschrecke, wird davon ausgegangen, dass ihr Aussterben in den meisten Heiden Mitteleuropas unmittelbar mit dem Wegfall von regelmäßigen Brandereignissen in den Heiden zusammenhängt. Für andere Arten wie z. B. das Birkhuhn, sind Brandflächen u.a. für die Körperhygiene (Aschebad) und als Nahrungsflächen besonders wertvoll.

Durch den Heidebrand wird der Vegetationsschicht der Stickstoff zu großen Anteilen entzogen. In Gegensatz zu Beweidung und Mahd, verbleiben hierbei die anderen Nährelemente mit der Asche weitgehend auf der Fläche. Dies ist einer der Gründe, weshalb gebrannte Heiden fast immer artenreicher sind als benachbarte, nicht gebrannte Flächen.

Fakten zum CO₂-Ausstoß

Heiden sind sehr gute CO₂-Speicher: Die organische Auflagen (bei 4 bis zu 8 cm Mächtigkeit) enthalten zwischen 24 bis 30 t C pro ha. Im mineralische A-Horizont (bei ca. 10 cm Mächtigkeit) sind etwa 85 t C pro ha gebunden. Diese Werte liegen deutlich über denen der in der Lüneburger Heide vorherrschenden Kiefernwälder. Ein Winterbrand, wie er hier im NSG durchgeführt wird, setzt nur etwa 4 % der in einem Heidenboden gespeicherten C-Vorräte frei – beim Plaggen und Schoppern sind diese Mengen viel größer. Damit schont Winterbrand etwa 96 % der C-Vorräte im Heideökosystem.

Beim Heidebrand wird nur die oberflächliche Vegetation entnommen und in Anteilen vorübergehend in die Atmosphäre freigesetzt. Die Flächen bleiben aber nach dieser Maßnahme (anders als beispielsweise bei einem brandgerodeten Regenwald, der in der Folge als Acker genutzt wird) nicht über Jahre ohne Vegetation, sondern innerhalb eines Zeitraumes von maximal zehn Jahren wird genau die gleiche Menge wie durch den Brand freigesetzt wurde auch wieder durch die nachwachsende Heidevegetation festgelegt. Es handelt sich hier also um einen Kreislauf.

Heidebrand: Die Flammen ziehen kontrolliert über die Fläche. | VNP Stiftung
Die Flammen ziehen kontrolliert über die Fläche.

Warum kann der Brand nicht durch andere Maßnahmen ersetzt werden?

Im Gegensatz zu allen anderen Heidepflegemaßnahmen gelingt es beim Brand, eingelagerten Stickstoff aus dem Heidesystem zu entnehmen ohne gleichzeitig andere wichtige Nährelemente, die nicht nachgeliefert werden, mit zu entnehmen.

Phosphor, Kali, Magnesium und viele andere Spurenelemente verbleiben mit der Asche auf der Fläche. Sie ermöglichen es Arten, die aus den ausschließlich über andere Maßnahmen erhaltenen Heide bereits längst verschwunden sind, zu wachsen. Zu nennen ist z.B. die bekannte Arnika, Bärlappe oder das Katzenpfötchen.

Für das Birkhuhn ist die Asche ein wichtiges Arzneimittel zur Pflege der Darmflora, die Heideschrecke profitiert von den besonderen Bodentemperaturbedingungen der schwarzen Fläche im Frühjahr und für viele Schmetterlingsarten ist die gute Nährstoffversorgung der wiederaustreibenden Heide sicherlich ein Grund, weshalb sie im Jahr nach dem Brand auf diesen Flächen hohe Populationsdichten erreichen.

Heidebrand: Löschen des Feuers mit dem Wasserwagen | VNP Stiftung
Löschen des Feuers mit dem Wasserwagen
Luftaufnahme beim Heidebrand: Brennende Heidefläche und Wasserwagen
Durch Heidebrand entsteht ein vielfältiges Mosaik an Pflegemaßnahmen.
Bodenbearbeitung mit der Scheibenegge für Naturschutz und Artenvielfalt.
Mit Scheibenegge bearbeitete Binnendünenfläche

Die Scheibenegge ist ein land- und forstwirtschaftliches Gerät, das vorbearbeitete Flächen wie Plagg-, Schopper-, Mahd- oder Brandflächen sowie Anflugsandareale bearbeitet, um gezielt Streifen mit Offenboden zu erzeugen. Durch diese Bearbeitung wird die Bodenoberfläche aufgelockert, was insbesondere für die Schaffung von Lebensräumen für Pionierarten von Bedeutung ist. Gleichzeitig führt das Durchmischen des Bodens zu einer leicht verbesserten Basenversorgung, was die Bodenfruchtbarkeit geringfügig steigert.

Eingesetzt wird die Scheibenegge auf Flächen, die nur geringe organische Auflagen besitzen, beispielsweise durch Vorbehandlungen wie Schoppern, Entmoosen oder tiefe Mahd, oder auf Sandflächen mit geringer Humusschicht. Dabei ist es entscheidend, nur bereits bestehende Pionierstadien erneut aufzureißen, um eine kontinuierliche Habitatstruktur zu gewährleisten. Die schnelle Arbeitsweise der Maschine erfordert erfahrenes Personal, das ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gereiftem Pionierstadium und frischem Offenboden sicherstellt. Flächen mit höherem Humusanteil dürfen nur sehr eingeschränkt bearbeitet werden, da sonst typische Schlagfluren und Problemgräser wie Landreitgras oder Pfeifengras gefördert werden.

Bodenbearbeitung mit der Scheibenegge für Offenlandpflege im Naturschutzgebiet.
Scheibenegge

Zur Umsetzung kommen Trecker mit Telleregge oder Scheibenegge zum Einsatz. Aufgrund der spezifischen Anforderungen an den Maschineneinsatz und die ökologische Einschätzung der Flächen ist ortskundiges Fachpersonal erforderlich, um die Maßnahme effektiv und ökologisch sinnvoll durchzuführen. Die Kosten für die Bearbeitung liegen bei etwa 220 € pro Hektar.

Aufwand

Die Bearbeitung mit der Telleregge ist sehr effektiv (8 – 10 km/h). Es sind aber sehr viele kleine Flächen zu bearbeiten, die von unterschiedlichen Firmen angelegt wurden und deren genaue Lage und Ausprägung sich erst mit der Bearbeitung ergibt. Aus diesem Grund erfordert die Bearbeitung der Flächen eine sehr gute Ortskenntnis innerhalb der Heiden.

Zeitlich ist die Abfolge der Arbeiten schlecht einzugrenzen, da zu einem hohen Anteil frische Bearbeitungsflächen anderer Firmen nachbearbeitet werden. Bei nassen Bodenverhältnissen kann darüber hinaus nicht gearbeitet werden, da ansonsten Fahrschäden innerhalb der unbearbeiteten Heiden entstehen.

Im Rahmen der Maßnahmenplanung sind jährlich 20 – 30 ha Fläche geplant. Ziel ist es die Anteile der Heiden die durch diese Methode TEXT FEHLT!

Fachliche Begründung

Trotz umfangreicher Plagg- und Schoppermaßnahmen sind Pionierstandorte innerhalb der Heide, insbesondere solche mit guter Basenversorgung, sehr selten und aus Sicht des Artenschutzes noch immer defizitär. (Plagg- und Schopperflächen sind in der Regel nach kurzer Zeit wieder durch eine mehr oder weniger geschlossene Heidedecke geprägt). Auch in Sandmagerrasenarealen und Wehsandbereichen reicht der Schaftritt alleine nicht aus, um Offenbodenanteile zu erhalten.

Die durch diese Maßnahme geförderten und zu erhaltenden Pionierstadien von Heiden und Sandmagerrasen beherbergen einen besonders hohen Anteil des „Tafelsilber des Artenschutzes“ im NSG „Lüneburger Heide“. In keinem anderen Lebensraumtyp ist die Dichte auch bundesweit hochgradig bestandsgefährdeter Arten so hoch wie hier. Dies gilt oft für sehr kleine Areale innerhalb der Heiden.

Als Beispiele seien einige Nachtfalterarten und Wildbienen genannt: Die Sandbienen Andrena nigriceps, A. rufipea oder A. batava, die Furchenbiene (Halictus sexcintatus), die Veränderliche Düneneule (Euxoa cursoria), der Heidekraut-Fleckenspanner (Dyscia fagaria), die Heidekraut- Bodeneule (Xestia agathina) die Rötlichgraue Bodeneule (Euxoa tritici), der Heidekraut-Steppenrüssler (TEXT FEHLT!).

Auch bezüglich der Flora unterscheiden sich Areale in denen über einen längeren Zeitraum die Scheibenegge in Flächenanteilen zum Einsatz kommt deutlich von anderen Flächen. Nach und nach kann sich eine Samenbank lichtliebender Pionierarten und von Arten mit Rhizomen aufbauen. So verlängern z. B. die heidetypischen Thymianarten (Thymus serphyllum, T. pulegioides), Filzkräuter (Filago arvensis, Filago minima), und oder die Habichtskräuter (TEXT FEHLT!) das Nektarangebot der Heiden weit über die Blütezeit der Besenheide hinaus.

Äsende Heidschnuckenherde mit Schäfer und Hütehunden | VNP Stiftung
Die Beweidung mit Heidschnucken ist die wichtigste Maßnahme zum Erhalt der Heideflächen.

Als wichtigste Maßnahme zum Erhalt der Heiden kommt die Beweidung auf nahezu allen Offenlandflächen des VNP im Naturschutzgebiet zum Einsatz. Unverzichtbar ist sie in Hanglagen, steinreichen Heiden, in Arealen mit Dampfpflugrinnen, dichten Wacholderheiden oder zur Gestaltung und zum Erhalt großräumiger lichter, tief gestaffelter Wald-Heide-Übergangsbereiche.

Ganzjährige Hütehaltung

Die Beweidung in ganzjähriger Hütehaltung stellt das traditionelle Nutzungssystem in den Heidelandschaften dar. Die Tiere (heute ausschließlich Heidschnucken) fressen tagsüber in den Heideflächen und werden nachts zum Abkoten in den Stall getrieben. Nur während der Lammzeit wird die Heide durch die Herden nicht täglich aufgesucht. Es erfolgt ein Nährstofftransfer von der Heide in den Stall (und weiter auf den Acker).

Heidschnuckenherde in der blühenden Heide | VNP-Stiftung
Grasende Heidschnuckenherde
Heidschnucken im verschneiten Totengrund | VNP Stiftung
Die Heidschnucken beweiden die Heideflächen ganzjährig.

Beweidung in Koppelhaltung

Die Beweidung in Koppelhaltung findet im Naturschutzgebiet mit seltenen Ausnahmen nur auf Grünland oder Ackerflächen statt. Hierbei werden die Tiere umzäunt durch Netze oder Litzen gehalten. Sie dient zur Nahrungsergänzung.

Standweiden

Standweiden wurden in einigen Heide- und Grünlandarealen für die Rinder- und Pferdehaltung als Ergänzung zur Hütehaltung durch Heidschnuckenhaltung angelegt. In diesen großräumig eingezäunten Arealen bleiben die Tiere ganzjährig im Freien. In die Weiden miteinbezogene Waldareale geben den eingesetzten Robustrassen (Dülmener Pferde/Wilseder Rote) ausreichend Schutz bei sehr rauer Witterung.

Dülmener Wildpferde auf der Weide | VNP Stiftung
Dülmener Pferde
Landschaftspflegehof Hof Tütsberg: Wilseder Rote Rind | Foto: VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Beweidung mit Rindern

Fachliche Begründung für die Entscheidung zur Beweidung

Hütehaltung

Die Hütehaltung ist das Rückgrat der Heidepflege im Naturschutzgebiet. Wie seit Jahrtausenden dient sie dazu, Nährstoffe aus der Heide im Stall zu konzentrieren. Durch den ständigen moderaten Verbiss kann sich die Heide immer wieder vegetativ verjüngen. Die am Boden durch die Beweidung deutlich reduzierte Beschattung sorgt dafür, dass Moose sich wesentlich schlechter etablieren können. Der Tritt der Schafe verletzt die Moosschicht zusätzlich und kann bei intensiver Beweidung sogar Offenboden schaffen.

Historische Aufnahme: Schäfer mit Heidschnuckenherde | VNP Stiftung

Die Rohhumusschicht baut sich in beweideten Heiden deutlich langsamer auf als in unbeweideten.

Eine Beweidung durch gehütete Tiere schafft sehr gleichmäßige Vegetationsstrukturen in der Heide. Alters- und Höhengradienten finden sich entsprechend der Intensität der Beweidung mit sehr allmählichen Übergängen. Mit Ausnahme bevorzugter Hütebereiche des Schäfers oder aber Engpässen an den Triftwegen der Schafe, ist in jedem Weidegebiet eine deutliche Abnahme der Beweidungsintensität vom Stall in Richtung der Randbereiche der Hütegebiete sichtbar.

Vor jedem Stall befindet sich aufgrund des täglichen Trittes und dem Kot, den die Tiere mit der ersten Bewegung am Morgen von sich geben, eine durch Borstgras geprägte Zone. Es folgen kurzrasige, oft flechtenreiche Heideareale. Mit wachsender Entfernung zum Stall nimmt der Anteil mechanisch gepflegter Heideflächen deutlich zu.

Um einen möglichst großen Stickstoffaustrag und Verbiss in den Heiden sicher zu stellen sollen die Herden möglichst lange Weidezeiten in der Heide erhalten. In der Zeit des Drahtschmieleaustriebs und dem nachfolgenden Austrieb des Pfeifengrases (Ende März bis Ende Juni) sollen die Schafe nur in Ausnahmefällen Grünlandareale beweiden. Neben der Bekämpfung der Vergrasung in der Heide hat so auch das Grünland Zeit zur Regeneration und zur Ausbildung eines Blühaspektes.

Kleinräumige, temporäre Weideruhezonen und Zonen, in denen die Beweidung nahezu vollständig hinter mechanischen Pflegemaßnahmen zurücksteht, erhöhen den Strukturreichtum in den einzelnen Weidegebieten. Neben diesen festgelegten Arealen obliegt es der Kunst des Schäfers zu entscheiden, wann eine Fläche für die Schafe besonders gutes Futter bietet, bzw. wann sie z. B. wegen der Tendenz zur Vergrasung eines intensiveren Verbisses bedarf.

Hat die Heide nach Jahren der Beweidung in einem Areal eine größere Höhe und Dichte erreicht, so wird sie vom Schäfer bewusst für eine Weile gemieden. Diese Flächen werden in der Folge gemäht, um danach wieder intensiv beweidet zu werden. Auf Vorkommen besonders seltener Arten kann der Hüteschäfer durch ein Meiden, oder im Gegenzug auch eine gezielte intensive Beweidung in entsprechenden Zeitfenstern, besonders gut reagieren.

Standweiden

Die Standweiden der Rinder und Pferde ergänzen die Schafbeweidung im Naturschutzgebiet. Beide Arten nutzen im Gegensatz zu den Schafen sehr schmale Zugwege innerhalb ihrer Beweidungsareale. Die Hufe und Klauen der deutlich schwereren Tiere halten diese Trampelpfade durchgängig weitgehend vegetationsfrei. So schaffen sie z. B. Vernetzungsachsen für viele wärmeliebende Tierarten, die an besonnten Offenboden gebunden sind.

Einer von vielen weiteren Aspekten, weshalb eine Großviehbeweidung eine wertvolle Ergänzung zur Schafhaltung bietet, ist der Kot der Tiere. Eine große Menge an Insekten und Pilzarten ist auf Dung in der Landschaft angewiesen. Hier bieten Rinder und Pferde eindeutig eine konzentriertere Nahrungsbasis als die Schafe. Kaum jemand beachtet die Vielfalt der Arten an Käfern und Fliegen, die auf diese Nahrungsgrundlage angewiesen ist, jedoch profitieren besonders bekannte Arten wie z. B. die Zauneidechse, der Brachvogel, der Neuntöter oder das Birkhuhn von dieser Insektenvielfalt.