Seit der Vereinsgründung gab es zahlreiche bedeutsame Ereignisse und Personen, die die Entwicklung des VNP maßgeblich geprägt haben.
Inhaltsübersicht
Tradition und Verantwortung: Naturschutz seit über einem Jahrhundert
Der Verein Naturschutzpark e.V. wurde 1909 in München von deutschen und österreichischen Naturliebhabern gegründet. Ziel war es – nach dem Vorbild der amerikanischen Nationalparks – großflächigen Naturschutz in Europa zu betreiben und bedeutende Landschaftsräume dauerhaft zu schützen. In mehr als 115 Jahren hat der VNP mit viel ehrenamtlichem Engagement, durch Landankäufe und Kooperationen die Grundlage für den heutigen Naturschutz gelegt.
Erste Hauptversammlung des VNP im Jahr 1910 in Stuttgart: stehend 5. v.r. F. Ecker, 7. E. Bubeck, 8. C. Floericke, davor seine Frau Melanie, 9. E. Nehmann, 10. W. Keller, 13. F. Regensburg, 15. W. Bode
Meilensteine
Die Geschichte des VNP ist geprägt von visionärem Handeln, wegweisenden Flächenankäufen und dem konsequenten Einsatz für großflächigen Naturschutz. Die folgenden Meilensteine zeigen die Entwicklung von den Anfängen im frühen 20. Jahrhundert bis heute.
1906
Keimzelle des Naturschutzes – Der Totengrund in der Lüneburger Heide wurde durch den Egestorfer Pastor Wilhelm Bode mit Unterstützung des Professors Andreas Thomsen erworben, um ihn vor Zersiedelung zu schützen.
23. Oktober 1909
Gründung des Vereins Naturschutzpark e.V. in München mit Sitz in Stuttgart; der Kosmos-Verlag stellte über viele Jahre hinweg seine führenden Männer dem VNP als ehrenamtliche Vorstandsmitglieder zur Verfügung.
1910
Erste Hauptversammlung in Stuttgart
1910
Ankauf des Wilseder Bergs – das Herzstück des heutigen Naturschutzgebiets Lüneburger Heide
1911
Ankauf weiterer Großflächen in der Lüneburger Heide
1913
Ankauf von Flächen in den Hohen Tauern und damit Schaffung eines weiteren Großschutzgebietes in Österreich – der Grundstein für den heutigen Nationalpark Hohe Tauern ist gelegt
1922
Die Lüneburger Heide wurde durch die Naturschutzgebietsverordnung offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen
1928
Erwerb des Guts Tütsberg – heute (Landschaftspflege-) Hof Tütsberg – mit angeschlossenem Hotelbetrieb
1956
Einfluss auf deutsche Naturparkbewegung
1967
Dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide wird erstmals das Europäische Diplom für geschützte Gebiete verliehen
1982
Gründung der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA) auf Initiative von Alfred Toepfer auf Hof Möhr in der Lüneburger Heide, getragen vom Verein Naturschutzpark
1991 – 2005
Naturschutzgroßprojekt Lüneburger Heide mit vielen Flächenerwerben und langfristigen Anpachtungen
19XX to do
Abschluss der Öffentlich Rechtlichen Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen
2002
Gründung der VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
2006
Internationale Anerkennung des Nationalparks Hohe Tauern durch die IUCN
2007
Übertragung des Vereinsvermögens an die Stiftung
2016
Die VNP Stiftung Naturschutzpark verkauft 2.960 ha des Nationalparks Hohe Tauern an den Salzburger Nationalparkfonds
2017
Ankauf erster Flächen bei Tröbitz / Domsdorf in Brandenburg, u.a. eines ehemaligen Braunkohle-Abbaugebietes, um auch hier großflächigen Naturschutz zu betreiben
2026
Aktuell pflegt der VNP über 11.000 Hektar Heide, Wald, Moor und landwirtschaftliche Flächen im Naturschutzgebiet.
Persönlichkeiten im VNP
Die Geschichte des VNP wurde und wird maßgeblich von den Menschen bestimmt, die sich mit hohem privaten Engagement für das Wohl des VNP einsetzen.
Die Gründungsväter des Vereins
Hofrat Walther Keller (1869–1952) griff die von Curt Floericke entwickelte Idee eines Naturschutzparks in der Lüneburger Heide auf, setzte sich maßgeblich für ihre Verwirklichung ein und leitete von der Gründung bis zu seinem Tod die Stuttgarter Geschäftsstelle des Vereins Naturschutzpark.
Walther Keller wurde am 30. April 1869 in Stuttgart geboren. Als Vierundzwanzigjähriger erwarb er mit seinem Freund Euchar Nehmann die 1822 gegründete Franckh’sche Verlagshandlung in Suttgart.
Aus seiner Initiative wurde im Jahre 1904 der Kosmos gegründet. Walther Keller hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mit dieser Zeitschrift alle an Naturwissenschaften Interessierten mit den Fortschritten der Forschung vertraut zu machen und die vielen Beziehungen zwischen den einzelnen Gebieten aufzuzeigen.
Damit hoffte er nicht nur, den Naturfreunden die Erkenntnisse der Wissenschaft zu erschließen, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Weltbild zu schaffen.
Von der Gründung des Vereins bis zu seinem Tod hat Walther Keller die Stuttgarter Geschäftsstelle des Vereins Naturschutzpark geleitet. Gemäß seiner Veranlagung wirkte er mehr in der Stille als in der Öffentlichkeit, aber er war zeit seines Lebens die große Triebfeder und wusste seine Begeisterung für die Idee der Naturschutzparke auf alle Herrn des Vorstandes und alle Mitarbeiter zu übertragen.
Als stellvertretender Vorsitzender des Vereins übernahm er 1941, nach dem plötzlichen Tod des damaligen ersten Vorsitzenden Friedrich Roselius, die Leitung des Vereins, bis 1943 Hans Domizlaff zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Er selbst hatte diese Wahl vorgeschlagen, aus der Erkenntnis heraus, dass eine tatkräftige Betreuung des Heideparks von Stuttgart aus nicht möglich ist.
Landrat Fritz Ecker (1859–1924) war ein politisch einflussreicher Förderer des VNP, der durch seine Verbindungen sowie staatliche Beihilfen und Lotterien entscheidend den Ankauf großer Flächen in der Lüneburger Heide und damit die Entstehung des Naturschutzparks ermöglichte.
In Winsen war der 1859 geborene Landrat Fritz Ecker ein wichtiger Mann mit politischen Verbindungen. Er stellte die Verbindung zu den preußischen Behörden und dem Preußischen Abgeordnetenhaus her. Dies war von unschätzbarer Bedeutung für den VNP. Von 1910 bis 1924 war Ecker Mitglied im engeren Arbeitsausschuss des VNP.
Als großer Natur- und Heimatfreund verfolgte er die zunehmenden Eingriffe in die Natur mit Sorge. Kurz nach der Gründung des VNP schlug er das Gebiet der Lüneburger Heide als norddeutschen Naturschutzpark vor. Nach einer Begutachtung durch Dr. Curt Floericke reisten Wilhelm Bode und Fritz Ecker zu einer Sitzung der Arbeitsausschüsse des VNP nach Stuttgart, woraufhin der Ankauf eines Heidehofes einschließlich des Wilseder Berges beschlossen wurde.
Ausschlaggebend war dabei auch die Möglichkeit einer jährlichen staatlichen Beihilfe sowie einer Lotterie, die Ecker erwähnte. Beides wurde 1911 bewilligt und ermöglichte weitere Ankäufe im heutigen Naturschutzgebiet.
Ecker war zudem mit dem Hapag-Direktor Albert Ballin befreundet und nahm an einer Nordlandreise auf der Jacht des Kaisers teil. Dort berichtete er Wilhelm II. von den Bestrebungen und Sorgen des VNP. Vom Kaiser erhielt der VNP die Genehmigung zu einer 2-Millionen-Lotterie, deren Erträge die ersten großen Flächenankäufe ermöglichten und den Heidepark in seinen Grundzügen prägten.
Auch im Preußischen Abgeordnetenhaus warb Ecker weiterhin für die Heide und gewann fraktionsübergreifend Unterstützung, sodass zahlreiche Spenden die Arbeit des VNP förderten.
Pastor Wilhelm Bode (1860–1927) legte mit seinem Engagement für den Ankauf bedeutender Flächen wie des Wilseder Bergs den Grundstein für den norddeutschen Naturschutzpark.
Der in Lüneburg geborene Wilhelm Wolfgang Dietrich Friedrich Bode wurde 1886 mit 26 Jahren Pastor in Egestorf. Sein Wirken ging weit über die vom Pfarramt gestellten Aufgaben hinaus. Unter anderem gründete er nach den Ideen von F. W. Raiffeisen dort 1888 eine der ersten Spar- und Darlehnskassen der Provinz Hannover. Egestorf erhielt durch sein Wirken schon früh eine zentrale Wasserversorgung.
Von 1905 an wurde sein Bemühen um den Schutz der Lüneburger Heide mehr und mehr zum Mittelpunkt seines Lebens. Später geriet er nicht zuletzt deswegen in Konflikt mit seinen kirchlichen Vorgesetzten und wurde 1923 aus seinem Amt entlassen.
Den Anstoß, der ihn zum Initiator des Naturschutzes in der Lüneburger Heide werden ließ, will Wilhelm Bode von seinem Vater bekommen haben. So soll dieser ihm bei einer Wanderung im Jahr 1887 zum Wilseder Berg gesagt haben: „Wer dies Bild kommenden Geschlechtern erhielte, der täte ein großes, gutes Werk.“ Seine Kontakte zum Landrat des Kreises Winsen, Fritz Ecker, wusste er genauso zu nutzen, wie die zum Lüneburger Bezirkskomitee.
So konnte er 1906 Prof. Thomsen gewinnen, den Totengrund anzukaufen, und er überzeugte auch den VNP 1910 zum Kauf des Wilseder Bergs. So wurde der Grundstein für den norddeutschen Naturschutzpark gelegt.
Wilhelm Bode wurde vom Vorstand als Sachwalter des sogenannten Heideparks eingesetzt. Nach seinem Tod am 10. Juni 1927 wurde, wie er es wünschte, seine Asche vom Wilseder Berg verstreut.
Im April 1909 lenkte sein Artikel „Umschau über die Naturschutzbewegung“ das Augenmerk vieler Menschen auf den nötigen Naturschutz. Als naturwissenschaftlicher Leiter des Kosmos veröffentlichte er rund 100 Bücher und etwa 400 Aufsätze, mit denen er zahlreiche Menschen für die Natur begeisterte. Gemeinsam mit seiner Frau gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des VNP.
Seit 2018 Prof. Dr. Thomas Kaiser Landschaftsarchitekt
2008 – 2018 Wilfried Holtmann führte den VNP durch veränderte Rahmenbedingungen wie eine verbesserte staatliche Förderung und Gründung der VNP-Stiftung, seit 2018 Ehrenvorsitzender
1993 – 2008 Hans Joachim Röhrs Renaturierung der verwüsteten ehemaligen militärischen Übungsflächen (“Rote Flächen”) sowie Überwindung einer Phase finanzieller Unsicherheit, bis zu seinem Tod 2021 Ehrenvorsitzender
1985 – 1993 Fritz Kellinghusen sicherte die finanzielle Unterstützung des VNP durch das Land Niedersachsen im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung
1954 – 1985 Dr. Alfred Toepfer engagierte sich politisch sehr für den Natur- und Umweltschutz, entwickelte die Naturschutzparkidee, aus der sich bis heute mehr als 100 Naturparke in ganz Deutschland entwickelten. Er investierte viel Privatvermögen in die Lüneburger Heide, in den Flächenerwerb und förderte die Gastronomie für den wieder einsetzenden Tourismus.
1943 – 1953 Hans Domizlaff bewahrte das schon Erreichte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren
1941 – 1942 Hofrat Walther Keller vorher langjähriges Vorstandsmitglied und Teilhaber des Kosmos-Verlages, führte den VNP durch die schwierigen Kriegsjahre
1940 – 1941 Friedrich Roselius verunglückte tödlich nach seinem ersten Amtsjahr
1927 – 1940 Dr. Henrich Wilkens Landgerichtsdirektor, rettete den Heidepark vor dem Zugriff der Wehrmacht
1909 – 1927 Erwin Bubeck Gutsbesitzer aus Württemberg